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Der erste (Schul)tag am WbK Unna nach Freitag, dem 13.

Nach fünfeinhalb Wochen Dornröschenschlaf kehren heute die ersten Studis und Lehrer*innen ans WbK Unna zurück.

Doch anders als bei „Dornröschen“ gibt es keine sichtbare Dornenhecke, die es zu überwinden gilt, sondern ein nicht sichtbares Hindernis, das irgendwo sein könnte.

Ich habe mich auf ein Wiedersehen mit den Studierenden gefreut, es hat für mich etwas von „Einschulungsflair“.

Vor der Schule begegnen mir der Hausmeistergehilfe und der Hausmeister. Sie haben bereits in der Schule überall Desinfektionsmittel und Papiertücher bereitgestellt. Jetzt karren Sie noch die Aschenbehälter für die Zigarettenstummel an ihren Platz, damit die Raucher etwas „für ihre Gesundheit“ tun können.

Da sonst noch niemand zu sehen ist, entrümple ich zunächst unten im Schulflur das Schwarze Brett und hänge das „Merkblatt zur Wiederaufnahme des Unterrichts“ auf. Dabei denke ich, dass nun einiges in der Schule umbenannt werden müsste: Türklinke gleich Hindernis, Treppenaufgang gleich Nadelöhr, Klassenraum gleich Großraum für zersprengte Kleingruppen, Lehrerzimmer gleich ein-Mensch-Kopierraum, K2-Raum gleich Lehrerzimmer u.s.w.

Da entdecke ich den brav vor der Schule wartenden ersten Studierenden aus der RV4.

Er habe sich in der schulfreien Zeit sehr gelangweilt, sagt er leicht beklommen.

Der Nächstankömmling bedauert, dass er am morgigen Freitag seinen Geburtstag nicht mit Freunden feiern kann. Er wird neunzehn und bereits letztes Jahr konnte er seinen Geburtstag nicht feiern. Ein dritter Studi bindet sich diszipliniert sein mitgebrachtes Dreieckstuch um und sinniert: „Wie im Wilden Westen!“

Zwei Lernende aus der K6 finden, dass die letzten Wochen sehr schnell verflogen seien und sie kaum glauben könnten, dass die schulfreie Zeit fast Sommerferienlänge gehabt habe. Sie hätten viel Zeit im engsten Familienkreis verbracht, viel gebastelt und Dinge gemacht, für die sonst keine Zeit bleibe. Sie strahlen und es ist ergreifend ihren Anflug von Freude zu sehen. Dann verfinstern sich ihre Gesichter; Unsicherheit mit Blick auf die bevorstehenden Prüfungen macht sich breit: Werden vielleicht noch einmal Termine verschoben oder zurückgenommen? Wie kann man sich motivieren, auch ungeliebten Prüfungsstoff zu lernen und sich dabei nicht von familiären Verpflichtungen, Sorgen und finanziellen Problemen ablenken lassen?

Über all dem schwebt dieses nicht sichtbare Etwas, dessen Namen wir alle kaum noch hören können, da die Medien ständig darüber berichten.

Nicht zuletzt muss deshalb festgehalten werden, dass die heute am Unterricht teilnehmenden Studierenden der Abschlussklassen es geschafft haben, sich aus der häuslichen Isolation herauszuschälen, in die Schule zu kommen und damit einen ersten Schritt Richtung „Routine“ zu starten, wenngleich dieser Begriff unpassend scheint, es gibt keine Erfahrungswerte. Das Ganze fühlt sich nicht real an.

Das Ende dieser, unserer Geschichte kennen wir noch nicht, denn anders als das gut endende Märchen „Dornröschen“  oder die traurig endende Geschichte Bichsels vom einsamen alten Mann in „Ein Tisch ist ein Tisch“, der in seiner Verzweiflung Dinge umbenennt, hat diese Geschichte noch kein Ende.

Wir alle schreiben Sie jeden Tag ein Stückchen weiter.